Ist das was wir sehen tatsächlich da oder sehen wir es weil wir es sehen wollen?

Ein Gedankenspiel.

Eine einfache Antwort könnte sein:
„Alles was wir messen, mit Fakten belegen können ist Realität“ – Punkt.

Wenn wir in Wolkenformationen Tiere oder in Baumstämmen oder in Mauerwerken gar Gesichter erkennen wollen sind diese keinesfalls real. Mehr sind sie das Produkt einer Mischung aus Phantasie und einer Assoziation der uns bekannten Bildern.

Aber angenommen etwas ist tatsächlich da, wir können es jedoch nicht oder noch nicht greifen? Bleibt es uns verborgen, weil wir es nicht sehen können? Weil wir es noch nicht denken können? Weil wir uns noch nicht entsprechend genug sensibilisiert haben?

Gibt es Gott? Ist eine Frage die sich fast jeder bereits einmal gestellt hat.

„Es gibt nichts was es nicht gibt!“

Doch ist das immer da oder entsteht es erst durch uns?

Entstehen „Dinge“ erst weil wir uns sensibilisieren? Werden diese dann genau greifbar, real für uns? Und wir fangen im nächsten Moment an sie zu bewerten, also einzuordnen, mit Zahlen zu belegen und dem Erkannten Namen zuzuweisen.

Wenn ich auf meiner Wanderung dem in Stein gemeisselten Nepomuk, an der Ecke einer mir seit langem bekannten Brücke stehend begegne, welcher in diesem Augenblick zum aller ersten mal mein Interesse weckt, würde ich spontan behaupten: Hey toll, ganz „neu“ hier!

Die Verwitterungsspuren zeigen mir jedoch etwas anderes und mein erworbenes Wissen, mein Verstand schliessen daraus, dass genau dieses Objekt schon länger hier, von mir unbeachtet, stehen muss.

Nun ist Nepomuk, der Brückenheilige, ein verschwiegener Patron, welcher oft zugewuchert regelmässig auf seine Befreiung wartet und dann für vorbeieilende sichtbar ist oder „sichtbar“ unsichtbar bleibt.

Was jeder schon erfahren hat ist das Phänomen etwas zu besitzen oder zu kennen, es sogar an einem ganz bestimmten Ort sehen zu wollen, es dort, auch nach genauem hinschauen, nicht aufzufinden zu können.

Nach und nach kommen Zweifel ob das, was wir als Bild vor Augen, in unserem Kopf gespeichert haben, doch nur eine Projektion, eine Einbildung ist, wir also etwas sehen wollen oder besitzen wollen, was nie da gewesen ist.

Oder es ist dagewesen jedoch wir dessen Existenz, weil eben nicht auffindbar, uns und auch anderen nicht beweisen können. Existiert das von uns gesuchte Objekt nun oder existiert es nicht?

Ist allein die Annahme, egal ob Wunsch oder durch Einbildung gesteuert, bereits das Indiz für dessen Existenz?
In der Umkehrung: Wäre dann ein Indiz ohne Beachtung, ohne messbaren Wert gar nicht vorhanden?

Und was bedeutet es, wenn plötzlich viele und gleichzeitig das selbe annehmen? Ist ein Indiz dadurch real gegeben und kann auf den Status der allgemeinen Gültigkeit erhoben werden?

Und wie verhält sich das nun mit realen, greifbaren Objekten wie dem Nepomuk?
Wenn ich das Licht lösche, nur schwarzen Raum sehe, ist dann auch nichts mehr da?
Können Dinge also, wenn unerkannt, ungesehen durch uns, dann noch existent sein?
Oder bleiben diese existent, weil der Verstand es uns mitteilt?

Bedeutet dies in der Folgerung auch, dass real anfassbares zu etwas bedeutungslosem heruntergestuft wird bis es irgendwann nicht mehr da ist. Dass zum Beispiel tatsächliche Ereignisse, da unbeachtet ihre Bedeutung verlieren, vergessen werden und quasi nicht existieren?

Dieses Gedankenspiel eröffnet uns die Möglichkeit „alles real existierende, nicht gewünschte, in die Bedeutungslosigkeit zu schicken“ und anders herum „Gewünschtes gewollt gebührend auf prächtigen Sockeln zu feiern oder realem wie geistigem Gut würdige wie auch unwürdige Räume zu bereiten.“

Kehren wir nochmals zur Eingangsfrage zurück:

Ist nun „Realität“ ausschließlich das was wir sehen?
Oder kann durch Projektion „Realität“ erst werden, weil wir diese sehen wollen?

Wie denkst Du darüber?

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